Ich brauch das alles nicht. Heute: industrielle Nahrung

Ähnlich wie Karen Duve („Anständig Essen“, 2012) war auch ich viele, viele Jahre lange hinsichtlich der Ernährung Teil des 20.-Jahrhundert-Mainstreams und liebte es heftig-deftig, herzhaft, süß & fertig, Hauptsache: lecker. Zudem bin ich mit traditioneller deutscher Küche aufgewachsen: Ich 1971er Jung‘ musste 21 werden, um zu erfahren wie eine Zucchini schmeckt. Ich bin der Typ gewesen, dem man zum Geburtstag eine edle Salami schenkte: Fleisch war mein Gemüse… und doch flog langsam aber sicher und nach und nach ein Ernährungs-Glaubenssatz nach dem anderen ‚über Bord‘.

Ich fühle mich Ideologie-frei in Sachen ‚Essen‘, habe selbst vor allem auch die weniger gesunden Gewohnheiten durch, weiß wie schwer es zuweilen sein kann, seine Ernährung von (vermeintlich) ‚lecker‘ auf ‚definitiv gesund‘ umzustellen.

Persönlich bin ich seit einen halben Jahrzehnt Vegetarier (auf dem Weg zum Flexiganer), weil ich

  • mir bewusst ist, was industrielle Tierhaltung tagtäglich bedeutet,
  • weiß, dass rotes Muskelfleisch von der UNO als „wahrscheinlich krebserregend“ und sämtliche verarbeiteten Fleischwaren sogar als „krebserregend“ eingestuft sind (vgl. Zikant 2015),
  • erfahren habe, dass „in Deutschland jedes Jahr rund 10.000 Menschen [sterben], weil Antibiotika nicht mehr wirken“ (Kopatz 2016, 73-74), was massiv auf die wahllose Gabe von Antibiotika in Tierställen zurückzuführen ist
  • zudem analog zu Jonathan Safran Foer davon ausgehe, dass „[u]nsere Ernährung umzustellen … nicht ausreichen [wird] um die Erde zu retten, aber wir … sie nicht retten [können], ohne uns anders zu ernähren“ (2019, 100), womit zugleich ausgedrückt ist, dass auch Vegetarismus nur teilweise zur Problemlösung beiträgt.

>> Flexiganer:in: Ein Mensch, der i.d.R. vegan lebt und ab und zu als seltene Ausnahme, z.B. wenn sie:er irgendwo Gast ist, auch Milchprodukte-Zutaten wie bspw. Ei oder Pizzakäse verzehrt.
>> Nebenbei, Ernährung ist nicht alles: Was Ernährungs-, „So entkommst Du der Depression“- und sonstige Pimp-up-your-life-Ratgeberbücher meist unterbelichten, ist das erforderliche Maß an täglicher und regelmäßiger Bewegung. (Der Witz ist, dass zumindest ich persönlich in gutbewegten Zeiten schlicht auf ganz andere (gesündere!) Dinge Appetit habe als in Couchpotatoe-Zeiten (die es auch gibt, selbstverständlich)).


Aber lassen wir mal in diesem nachfolgenden Gedankengang solche Aspekte beiseite und beschäftigen uns viel mehr mit dem, was die Bürger:innen Deutschlands so gemeinhin im Supermarkt an Produkten erwerben.

Diese Produkte stammen bezogen auf Deutschland i.d.R. von einer vielschichtigen Industrie mit einem Umsatz von nahezu 180 Mrd Euro (vgl. Havera 2020).

Allgemein gilt aus meiner Sicht:

  • Wenn sehr viel Geld in einem System steckt, sollten wir genau hinauschauen.
  • Immer.
  • Und erst Recht dann, wenn wir die Waren herunterschlucken.

Hier schon einmal vorab mein Fazit:

Ich brauch das alles nicht.

Ok, das hier wird schwere Kost, die ich hier im Folgenden auftische – aber versprochen: Es lohnt sich, diese zu sich zu nehmen.

Das Entscheidende, das wir uns klar zu machen haben:

Jedes stark weiterverarbeitete industrielle Nahrungsmittelprodukt, dass wir bspw. im  Supermarkt oder bei Systemgastronomien kaufen können, ist unbedenklich in dem Sinne, dass der einmalige oder unregelmäßige Verzehr nicht gesundheitsschädlich ist.

  • Selbstredend schadet es nicht, bei grundsätzlich gesunder Konstitution seinen Körper ab und zu mit den 40 flüssigen Zuckerstücken einer Cola (1 Liter) zu überraschen.
  • Und entgegen der Haltung von Purist:innen dürfen wir es uns am Ende eines vollgestopften Tages auch mal einfach machen und eine Tiefkühlpizza in den Ofen werfen.

Wobei aus meiner Sicht der eigentliche Vorteil an industriellen Fertignahrungsmitteln im ‚Ich brauche mir keinen Kopf machen‘ besteht als im Faktor ‚Zeitersparnis‘. Dieser spielt m.E. tatsächlich nur dort eine relevante Rolle, wo strukturiertes Einkaufen und selber Kochen keine Routine sind.

ABER – und dieses Wort kann ich gar nicht groß genug schreiben – all diese Fertignahrungsprodukte sind in Deutschland eben genau deshalb und nur deshalb gesetzlich zugelassen: weil sie einzeln bzw. unregelmäßig zu sich genommen nicht unmittelbar schädlich oder gesundheitsgefährdend sind.

Vollkommen anders sieht es aus, wenn wir angesichts des einladend-bunten Supermarktangebots beschließen, ab sofort nur noch selten oder gar nicht mehr selbst ‚richtig‘ zu kochen.

Fertignahrungsprodukte sind für Manche das ‚Food zum Lifestyle‘, das ‚Big Food‘ wird sozusagen ins Hamsterrad gereicht.

Dort, im Hamsterrad, werden industriell stark weiterverarbeitete Nahrungsprodukte, Snacks, Currywurst & Mittagspausen-Take-away als eine Art ‚Zeitersparnis- und Convenience-Tool‘ wahrgenommen, ein Tool, dass es ermöglicht, die eigene Konzentration auf vermeintlich ‚wichtigere‘ Dinge zu lenken, der Arbeit, der Geldbeschaffung, der Freizeitmaximierung oder der körperlichen Optimierung im Fitneßstudio (neudeutsch: ‚Lifestyle Club‘).

  • Ähem, was genau kann eigentlich wichtiger sein als eine angemessene Befriedigung der Grundbedürfnisse – zu denen Nahrungsaufnahme eben definitiv gehört?

Schaut Euch mal bei Eurem nächsten Supermarktbesuch mit wachen Augen um, dreht Euch mal bedächtig 360 Grad um die eigene Achse.

Ja, macht das mal wirklich.

Was seht Ihr?

Aller Wahrscheinlichkeit nach seht Ihr folgendes:

  • Eine Gemüseabteilung im Eingangsbereich.
  • Auf den übrigen 330 Grad der Drehung – d.h. auf  ca. 85% der Ladenfläche – stehen fast ausschließlich stark verarbeitete Fertignahrungsprodukte aller Art (sowie ein paar Drogerieartikel).

Warum?

Weil die:der Kundin/Kunde es so will?

Jein.

Die weiterführende und daher richtigere Antwort lautet: Weil Nestlé (Börsenwert 219 Mrd €), Unilever (125 Mrd €), Danone (62 Mrd €) etc. pp. mit Grundnahrungsmitteln und lediglich wenig verarbeiteten Lebensmitteln kein Geld verdienen können.

Was kostet denn hierzulande Mehl? Hefe? Milch? Ein Apfel? Backpulver? Nudeln? Eine Zucchini? Dosentomaten?

Quasi nichts.

>> Wobei das bei agrarwirtschaftlichen Erzeugnissen ein Skandal für sich ist, anderes Thema.

Das bedeutet auch, dass wir uns ein Leben mit Grundlebensmitteln locker leisten können. Wenn wir nichts wegschmeißen, dann können wir uns – wenn wir nur in einem von Ärzt:innen empohlenen Rahmen Fleisch konsumieren – sogar alles in Bio leisten (vgl. Handbuch Klimakrise

Aber wenn Konzerne ihre Produkte weiterverarbeiten (‚veredeln‘) und damit vermeintliche Mehrwerte schaffen – ein frühes Beispiel wäre die Addition von Vitamin C in Apfelsaft – dann

  • haben die Produkte eine Werbebotschaft,
  • besitzen sie einen (angeblich gesundheitlichen) Vorteil gegenüber dem Zusatzstoff-losen Konkurrenzprodukt und
  • können sie aufgrund der Hinzufügung eines künstlichen Stoffes, dessen eigene Herstellungskosten kaum messbar sind, das Produkt  zu einem höheren Preis verkaufen.

Mit der Folge, dass die weiterverarbeiteten Produkte immer weiter weiterverarbeitet werden…

Und das zieht sich durch:

  • Vorgeschnittene Wiener Würstchen kosten mehr als ungeschnittene,
  • ein in Brot gehüllter Markenfleischwurstsnack erzielt einen höheren Preis als die Grundvariante,
  • ‚rechtsdrehender‘ Joghurt ist teurer als Joghurt, der die andere Richtung bevorzugt (yeah!)…

… dann denke ich noch an Low-Fat-Diät-Zero-Sugar-Chips mit Schinkenaroma sowie mit dem Naturkräuterextrakt ohne grüne Streifen – und an den Bananencreme-Sahnejoghurt plus Umknick-Ecke mit abgezählten CrunchCrispBlabla drin…

Die Faustregel, short version in a nutshell:

  • Je weiterverarbeiteter ein Nahrungsmittel ist, desto weniger gesund ist es.

Die Faustregel, long version:

  • Je länger die Zutatenliste, je mehr Weiterverarbeitungen ein Lebensmittel erfahren hat, desto weniger naturbelassen ist es und – tendenziell – desto weniger gesund ist es, weil immer mehr preisdrückende billige (Trans-)Fette, diverse Zucker(ersatz)arten und weitere Additive sowie Salz darin rumschwimmen, um geschmacklich überzeugend zu wirken.

Selbstredend könnten wir eine solche Mahlzeit, z.B. den zuletzt erwähnten Joghurt [Joghurt + reingeschnippelte Banane + Müsli] innerhalb von zwei Minuten selbst herstellen, und zwar: FRISCH – und mangels Bonus-Zucker bzw. irgendeinen invertierten Flüssig-Zuckersirup und gefühlten tausend Additiven, die kein Mensch braucht: um etliches gesünder, nachhaltiger, verpackungsloser und oft günstiger.

Und weniger weit gereist, wie Michael Kopatz anhand der sog. „Europa-Lasagne“ zeigt:

  • „Schon der Weg des Fleischanteils in der Lasagne von der Schlachtung bis zur Weiterverarbeitung erstreckt sich über halb Europa; dasselbe gilt für die Herstellung von Futtermitteln für die Tierhaltung sowie für Züchtung, Haltung und Transport“ (2016, 14) und weiter: „Die ‚Europa-Lasagne‘ zeigt: Die systemischen Probleme unserer Wirtschaft und Gesellschaft manifestieren sich sogar in einem banalen Schichtnudelgericht aus der Truhe“ (ebd., 15).

Das alles kostet neben Ressourcen auch massiv Energie, für die langen Transportwege und die i.d.R. erforderliche Kühlung.

  • Kopatz weist des Weiteren darauf hin, dass „[v]erstrickte Produktions-, Verarbeitungs- und Lieferketten … ein System organisierter Verantwortungslosigkeit geschaffen [haben]“ (ebd., 14).

>> Organisierte Verantwortungslosigkeit: Wenn ein Produkt – wie z.B. ein Smartphone – aus hunderten von Stoffen und Einzelteilen besteht, die global geschafft und produziert werden, dann verschleiert das schlimme Produktionsbedingungen und Kinderarbeit, vgl. LLL-Gedankengang Smartphones sind nicht smart. (Teil 2/2: Der ‚globale Impact‘ eines Smartphones).

Die Nahrungsmittelkonzerne wollen unser Bestes: unser Geld.

Unsere Gesundheit ist den (dem Shareholder Value verpflichteten!) Unternehmen bedeutsam in dem Rahmen, den Gesetze vorgeben.

Und diese Gesetze haben deren Lobbyist:innen

  • eifrig mitgestrickt und verwässert,
  • die Volldeklaration von Inhaltsstoffen und eine verpflichtende ‚Lebensmittel-Ampel‘ verhindert,

und die Konzerne haben zusammen

  • billiges Palmfett in den Markt gedrückt mit verheerenden Auswirkungen für Mensch, Mitwelt, Klima und Biosphäre,
  • jahrzehntelang die Entwicklung des kalorienarmen und Zähne-schonenden Stevia mutmaßlich bekämpft, auf jeden Fall definitiv trotz gesundheitlicher Vorteile NICHT gefördert sowie
  • per Preisdumping mit dafür gesorgt, dass Bauern nur über Subventionen überlebensfähig sind, dass viele ‚kleine‘ Bauern aufgeben mussten/müssen, dass Massentierhaltung zu einer widerwärtigen Perversion geworden ist, dass unsere lose gekauften Eier zur Gewissensberuhigung zwar aus (suboptimaler) Boden- oder Freilandhaltung etc. kommen, aber so gut wie jedes in Fertignahrung befindliche Ei per 23-Tonner-Flüssig-Ei-Tankwagen (!) aus den Käfighaltungen der Nachbarländer nach Deutschland gekarrt wird… Soll ich fortfahren?

Die Konzerne verarschen uns. Und wir lassen es mit uns machen. Vielfach zu gerne: „Aber es ist doch so praktisch.“… „Ach, das wusste ich nicht.“

Ihre Lobbyist:innen sind hochbezahlt, und wenn sie nicht gerade mit unseren Politiker:innen essen gehen (!), industrienahe Auftragsstudien mit lauter Unsere-Produkte-sind-geil-Nachrichten medial verbreiten, setzen sie sich in Talkshows, um sinngemäß Dinge zu verkünden wie:

  • „Nicht Zucker und Fette sind das Problem, sondern Bewegungsmangel.“
  • „Es liegt im Ermessen und in der Eigenverantwortlichkeit des Kunden, welches Produkt er kauft.“

Und:

  • „Wir können nichts dafür, wenn Kund:innen allzu oft zu Fertigpizza und Tiefkühl-Lasagne greifen, wir empfehlen stets eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung.“

Ähem, liebe Lobbyist:innen. Wenn wir Bürger:innen allesamt letzterer, von Euch ausgegebener Empfehlung folgen würden, würde sich Euer Geschäft gar nicht rechnen. Steht doch bitte wenigstens zu Eurem Geschäftsmodell. Im Übrigen ist es im Angesicht des Supermarkt-Arsenals von Tütensuppen, Dosenfrikassee und Tiefkühl-Nasi-Goreng alles andere als einfach, sich abwechslungsreich gesund zu ernähren. Man muss sich bildlich gesprochen mit einer Machete den Weg durch den Kaloriendschungel schlagen, um Eurem ‚guten Rat‘ folgen zu können. Das ist anstrengend und erfordert Wachsamkeit und Konsequenz, die wir nach einem langen Arbeitstag allzuoft nicht mehr haben.

Was Ihr genau wisst.

Weiter gedacht… Wenn sogar unsere wohlmeinden Freund:innen vom Fach, die Lobbyist:innen von der globalen Euro-LasagneTiefkühlFertignahrungsConvenienceBigFoodIndustrie als Expert:innen vom regelmäßigen Konsum ihrer eigenen Produkte abraten, dann ist das ein massiver Grund, dieser Empfehlung nicht nur zu folgen, sondern lieber weit über sie hinauszugehen – und sich mal an einem freien Tag die Zeit zu nehmen, um im wachen Zustand und aus einer kritischen Distanz heraus mal die Zutatenliste von Fertignahrungsprodukten als das Kleingedruckte zu sehen. Bekanntlich wird stets empfohlen, bei Verträgen besonders wachsam das Kleingedruckte zu lesen. tatsächlich geht man ja gewissermaßen einen Geschäftsvertrag ein: In dem ich Dein Produkt erwerbe, nach Hause trage, zubereite und runterschlucke, akzeptiere ich das Kleingedruckte.

Mehr noch, angesichts der chemischen Komplexität dieser Produkte sollten wir das Kleingedruckte als eine Art Beipackzettel ansehen: Zu Risiken und Nebenwirkungen… ja, wenn ich Sie in diesem Text noch nicht recht überzeugen konnte, fragen Sie Ihre Ärztin oder einen Ökotrophologen.

Letztlich profititieren die Nahrungsmittelkonzerne ganz heftig davon, dass es im Bereich Lebensmittel und bei Einzelstoffen wie Fett, Zucker, Kohlenhydrate, Additiv xy schwierig ist, wissenschaftlich eindeutige Beweise für ihre Wirkung auf den Körper zu erbringen. Wie sollte ein solcher Versuchsaufbau exakt auch aussehen? Zumal jeder Körper ein wenig anders ‚funktioniert‘.

Nocheinmal anders ausgedrückt:

Was uns nicht beweisbar und direkt krank macht, ist erlaubt. Das ist letztlich die einzige Grenze, die den Nahrungsmittelkonzernen in der kapitalistisch-freiheitlich-rechtsstaatlichen Welt gesetzt ist. Doch, ich fürchte, bei einem Minimalmaß namens ‚keine unmittelbare Gesundheitsschädigung‘ ist Bequemlichkeit für uns ‚User‘ keine Möglichkeit – hier sind wirklich Konsequenz und Eigenverantwortlichkeit gefragt.

Mit all diesem Wissen ist es mir persönlich leichtgefallen, eine Entscheidung zu treffen:

Ich brauch das alles nicht.

Es fühlt sich nicht wie Verzicht an.

Es ist die tiefempfundene Erkenntnis, dass ich dieses Spiel nicht mitspielen will.

Es fühlt sich gut an, sich nicht mehr verarschen zu lassen.

Das empfinde ich als: Freiheit.

Zwangsweiser Verzicht = Mangelgefühl; Freiwilliger Verzicht = Genügsamkeit = Freiheit

Ein Ausweg. Zwei Schritte.

Erster Schritt.

Die gute Nachricht: Es ist gar nicht so schwierig, in einem ersten, aber durchaus radikalen Schritt bereits eine Menge von diesem Mist loszuwerden:

Einmalig den Vorratsschrank und im Supermarkt konsequent sämtliche Zutatenlisten von Produkten, die man üblicherweise einkauft, auf folgende Dinge (zum Beispiel mit der Website/App codecheck.info) durchchecken:

  • Palmfett
  • gehärtete Fette
  • Glukose-Fruktose-Sirup (und erst recht: Fruktose-Glukose-Sirup)
  • Fruktose
  • Stoffe mit ‚E‘-Bezeichnung (möglichst wenige, den Maßstab lege jeder selber fest)
  • und, neuerdings auch wichtig: Isoglukose

Und dann ersetzt man die Produkte – es werden erstaunlich viele sein, c’est la vie – durch von diesen Stoffen freie Varianten und ignoriert die bislang gewohnten Produkte. (Nicht einknicken!)

Wer noch nicht im Biomarkt einkauft: Es lohnt sich durchaus mal vorbeizuschauen, in vielen Produkten sind erheblich weniger und wesentlich weniger schlechte Inhaltsstoffe drin, und: So viel teurer wie gemeinhin erzählt wird, ist es dort nicht.

Ich fürchte nur: Kekse ohne Palmfett – das ist heutzutage (weil das Zeug so billig und simpel zu verarbeiten ist) sogar im Bioladen: schwierig. Aber das Zeug ist wirklich in jeder Hinsicht sch…, und sogar mit Zertifikat bedenklich.

(2) Zweiter Schritt: Mehr selbst kochen, selbst gebautes Lunchpaket mitnehmen etc.

Selbst kochen ist in jeder Hinsicht eine gute Sache. Gemessen an den heutigen Inhaltsstoffen wie beispielsweise den oben genannten Transfetten handelt es sich m.E. geradezu um einen Akt der Selbstverteidigung.

Kochen ist: Gesund. Nachhaltig. Spart nach meiner Erfahrung Geld. Spart sogar Zeit, wenn man stukturiert einkauft und Kochen Routine ist.  Kochen ist darüber hinaus Qualitätszeit. Kochen ist Ritual. Flow. Eigenzeit. Steigert das Selbst. Kochen verbindet. Kochen macht das Leben: langsamer.

Marc Pendzich.

PS: ‚Frisch einkaufen‘, dafür steht auch der Sportmediziner Matthias Marquardt:

„Hören Sie auf ihre Nase“ (! sehr schön, smile)

schreibt er, die Nase sei „ein formidables Organ zum Beurteilen von Speisen“ und das „seit Jahrtausenden“. Also, nehmt Herrn Marquardt ruhig wörtlich und kauft nur noch Dinge, die Ihr direkt vor Ort, im Supermarkt tatsächlich riechen könnt und riechen mögt… und was bleibt übrig? Na also.



Dieser Gedankengang erschien erstmals am 25. September Mai 2017. Stark überarbeitet neu veröffentlicht am 28. Juni 2021.



Buchempfehlung:

Duve, Karen (2012): Anständig Essen. Ein Sebstversuch. Goldmann.

Der Ideologie und Verbohrtheit absolut unverdächtig, arbeitet sich Karen Duve per Selbstversuch Schritt für Schritt durch die typischen Ernährungsformen hindurch – sehr spannend und inspirierend.


Quellen:

Die Worte „Fleisch war mein Gemüse“ spielen an auf:

  • Strunk, Heinz (2004): Fleisch ist mein Gemüse. Rowohlt.

Coca Cola, 1 Liter = ca. 100g Zucker – oft in dieser Größenordnung belegt, beziehe ich mich hier mal auf eine historische Quelle, die zeigt, dass das Fertignahrungs- und Zuckerproblem zwar ‚gewichtiger‘ geworden ist, aber natürlich schon lange besteht: Der Spiegel 49/1976, S. 243, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41124900.html (Abrufdatum 22.9.2017)

Unternehmensgröße der Nahrungsmittelkonzerne anhand der Marktkapitalisierung, d.h. anhand des Börsenwertes, dem Gesamtwert der Anteile der börsennotierten Unternehmen, gemäß der Angaben der Webpage

Sinngemäße Lobbyisten-Aussagen, können m.E. so herausgelesen werden z.B. aus: Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer ‚Wirtschaftliche Vereinigung Zucker‘ äußert sich in Hart aber fair, ARD, 29.8.2016, „Der Feind in meinem Essen – wie ungesund sind Zucker und Co“ wie folgt;

Eigenverantwortlichkeit, Bewegungsmagel, Freiheit der Produktwahl:

  • Zuviel ist das Problem… wir reden über etwas, was aus dem Lot geraten ist. Eine Balance, die wir zwischen Fett, Zucker, Eiweißen, unserem täglichen Essen haben. Das  ist der Punkt … und das wir uns viel zu wenig bewegen. … Es gibt die volle Wahl. Jeder Verbraucher kann im Supermarkt hingehen und kann Produkte mit wenig oder viel Zucker kaufen. … Aber es ist überhaupt kein Problem, wenn dieses Produkt mal verzehrt wird. Gesundheitlich auch überhaupt kein Problem.“

Bewegungsmangel, ausgewogene Ernährung:

  • „Wenn Herr Plasberg mich nun fragen würde, ist das ok, wenn ein Kind einen Becher [Fruchtjoghurt für Kinder mit 13,2g Zucker auf 100g] davon nun essen würde, dann würde ich sagen: Ja. Aber es kommt aber darauf an, was ein Kind im Grunde sonst noch an diesem Tag, oder auch in dieser Woche zu sich genommen hat, wie es unterwegs ist, welche Aktivitäten es sonst noch hat – das ist doch der Punkt. Wenn es im Maße ist und wir im Gleichgewicht sind, dann ist ein solches Produkt völlig in Ordnung.“

Eigenverantwortung, ausgewogene Ernährung:

  • „Einzelne Produkte sind in Ordnung, wenn man sie nicht übertrieben oft zu sich nimmt. Es ist natürlich falsch, wenn ein Produkt wie ‚Smacks‘ dauernd den Kindern zum Frühstück gegeben wird.“

Quelle: www.youtube.com/watch?v=sfd36MU4u9g  (Abrufdatum 22.9.2017)

(Hervorhebungen durch Marc Pendzich)
Anmerkung: Hallo Herr Tissen, ich nehme an, Sie haben einen ‚Google Alert‘ o.ä. und lesen daher diesen Beitrag: Ja, ja, alles nicht falsch, was Sie in der Sendung sagten – aber man könnte sich – ganz vielleicht und ganz zart – auch mal an die eigene Nase fassen. Und bessere Produkte herstellen. Z.B. ohne die Tonnen von diversem billigen Flüssigzucker, der kein Sättigungsgefühl entstehen und uns daher weiteressen lässt.

Quelle „sich nicht einstellendes Sättigungsgefühl“ z.B:

Auch interessant:

Zweifel am Zertifikat für nachhaltig produziertes Palmöl:

Stevia mutmaßlich per Lobbyismus bekämpft: recht deutlich angedeutet in:

Ganz sicher kann man sagen, dass sich niemand für die weitere Entwicklung Stevia interessieren/einsetzen wollte, obwohl es andernorts seit vielen Jahre sehr geschätzt wird und eine Reihe von sehr relevanten Vorteilen bietet, z.B. fast kalorienfrei ist und nicht den Zähnen schadet.

23-Tonner-Ei-Tankwagen: vgl. z.B:

„Frisch einkaufen“, Grundlage der ‚Frischephilosophie‘ dieses Beitrages:

  • Marquardt, Matthias: Warum Laufen erfolgreich macht und Grünkernbratlinge nicht. Spomedia, 2007, S. 80
    (für Einsteiger) und für Fortgeschrittene:
  • Marquardt, Matthias: Instinktformel. Das Erfolgsprogramm, das Sie wirklich glücklich macht. Random House, 2012.

Havera, Herbert (2020): „Börsenlexikon: Nahrungsmittelbranche“, Finanzen 100/Focus online, 22.10.2020, online unter https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/boerse/nahrungsmittelbranche_H510798653_10971108/ (Abrufdatum 28.6.2021)

Kopatz, Michael (2016): Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten. München: oekom Verlag.

Zinkant, Kathrin (2015): „Ernährung: Bleibt nur die Hühnerbrust“. in: Süddeutsche Zeitung, 26.10.2015, online unter https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-bleibt-nur-die-huehnerbrust-1.2708701/ (Abrufdatum 2.10.2019)