LebeLieberLangsam in a nutshell (Kurzinhalt)

Gedankengänge.

Ich lebelieberlangsam: Wer immer beschäftigt ist, spürt nicht wie die Zeit vergeht. Das Leben ist derart kurz, dass der Versuch, alles mitzunehmen auf dem ‚Spielfeld der unendlichen Möglichkeiten‘ zum Scheitern verurteilt.

Während die meisten Menschen per Hamsterrad dem HöherSchnellerWeiter frönen, wissen sie durchaus, dass die Big Five eines ‚guten‘ Lebens außerhalb des Hamsterrades zu finden sind und viel mit „Weniger ist Mehr“ zu tun haben. Dieser seit Jahrtausenden bekannte und sowohl auf der individuellen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene existierende Widerspruch kann als Die Ist-und-Soll-Diskrepanz beschrieben werden: Was hindert uns daran, es anders zu machen?

Diese Frage stellt sich am Anfang des 21. Jahrhunderts umso dringender – Kommen wir zur: Unbequemen Wahrheit. Diese besagt, dass wir die genannte Ist-und-Soll-Diskrepanz aufzulösen haben, wenn wir unseren Kindern und allen nachfolgenden Generationen sinnstiftende Lebensbedingungen offerieren wollen: HöherSchnellerWeiter fährt den Planeten an die Wand. Leider ist es – auch im Jahre 2021 – offensichtlich, dass die meisten von uns noch nicht einmal ansatzweise verstanden haben, worauf wir Menschen uns gerade einlassen – und das es selbstverständlich uns selbst betrifft, mindestens in der Hinsicht in dem wir unsere eigenen Kinder „ans Messer liefern“. Man möchte kein Mäuschen sein bei künftigen Gesprächen zwischen kreuzschifffahrenden Großeltern und Enkel:innen: „Aber die Ölkonzerne haben gesagt, so schlimm ist das gar nicht mit dem CO2?“

Es bedarf u.a. der Rückbesinnung auf Selma Merbaum und die Kostbarkeit des Lebens. Worauf kommt es an? Die 17-jährige Selma Merbaum hat es, vom Holocaust bedroht, genau gewusst und in Worte gefasst: Wir alle haben das gleiche unverbrüchliche Recht auf Unversehrtheit, Freiheit und Selbstbestimmung. Abseits existenzieller Grundbedürfnisse braucht es nicht viel, um das Leben bei den Haaren zu packen und zu leben, zu lachen, zu lieben, zu atmen und den „Himmel mit Händen [zu] fassen“. Daraus ist abzuleiten: Wer Macht missbraucht, Besitztümer anhäuft und/oder Anderen schadet, ist dem (eigenen) Leben entfremdet. Was also haben wir davon, Macht auszuüben etc.? Der Verdacht liegt nahe, dass es der fehlgeleitete Versuch ist, das Ego zu füttern und der eigenen Endlichkeit etwas entgegenzusetzen.

Unsere Anmaßung, kommenden Generationen den Planeten ‚unter dem Hintern wegzureißen‘, ist eine „Diktatur der Gegenwart auf Kosten der Zukunft“ (Welzer 2016, 131). Vergessen wird: Die Freiheit der:des Einen endet dort, wo die Freiheit der:des Anderen beginnt. Der derzeit gelebten Hybris kann die Rückbesinnung auf den Merbaum’schen Sinn des Lebens, auf das selbstgenügsame ‚gute‘ Leben entgegengesetzt werden. Wir haben es also mit zwei diametral entgegengesetzten Konzepten zu tun, die im Konflikt miteinander stehen, der zu der Überschrift Hybris vs Hygge / Hygge contra Hybris verdichtet werden kann. ‚Hybris‘ ist kollektiver Größenwahn, der weder für das Individuum, noch für die Menschen noch für den Planeten funktioniert. Hygge steht für die Balance, die wir zu halten haben. Und wirkt im Gegensatz zu Hybris sinnstiftend.


Quellen des Abschnitts

Welzer